Mit 72 Jährchen den Schwarzgurt

Mit 72 Jährchen den Schwarzgurt

Dienstag, 12. Dezember

VON: TEXT: KLAUS HOLDEFEHR

Karl Wießmann ist der Senior des Groß-Umstädter Karate-Dojos

Ganz in Weiß steht er da. Fast ganz in Weiß. Denn um seine Hüften hat Karl Wießmann einen schwarzen Gürtel geschlungen. Der Schwarzgurt – das ist schon was Besonderes für einen Karateka. Und was ganz Besonderes, wenn der Karateka 72 Jahre alt ist.

„Es gibt in Deutschland nur wenige Inhaber des 1. Dan, die 70 oder noch ein wenig älter sind“, flicht Wießmanns Trainer Christian Gradl ein. Viele Stunden hat er mit dem ältesten Karateka des Groß-Umstädter Dojos trainiert, um ihn vorzubereiten auf die Prüfung, die er in Zweibrücken bei DJKB Chiefinstructor Shihan Hideo Ochi abgelegt hat. Grund- und Partnerübungen gehörten dazu und „Kata“, die festgelegte Abfolge verschiedener Bewegungen, mehr Pflicht als Kür. Das muss man nicht nur mit dem Körper können, sondern im Kopf kennen.

„Die Jungen kapieren´s schneller“, räumt der ehemalige Maurer und Fliesenleger aus Rai-Breitenbach ein. Aber gerade das ist ein Grund für ihn, Karate zu trainieren: sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit halten. Zu der Selbstverteidigungs-Sportart hat er erst relativ spät gefunden. „Rund zwölf Jahre trainierte ich jetzt“, erzählt er. Das Interesse sei zwar schon früher da gewesen, doch habe die Initialzündung gefehlt. Die kam in Gestalt eines Wander-Freundes, der schon seit 20 Jahren der asiatischen Kampfkunst frönt und Wießmann mitnahm. Dieser behauptet zunächst, früher eigentlich gar nicht besonders sportlich gewesen zu sein, doch dann zählt er auf: „Ich fahre Ski, bin seit vier Jahrzehnten im Schützenverein und ein begeisterter Wanderer, mit Eichel und so…“ Allerdings gibt er auch zu, dass ihm manche Karate-Bewegungen nicht leicht fallen. Das Alter fordert halt seinen Tribut. Aber für Wießmann ist das mehr Herausforderung als Plage. Dreimal wöchentlich trainiert er im Umstädter Dojo. Und zwischendurch wohl auch Zuhause. Und schon geht´s zu seinem Trainer Christian Gradl auf die Matte, denn ans Aufhören denkt Wießmann noch lange nicht.

Von links nach rechts: DJKB Chiefinstructor Shihan Hideo Ochi, 1. DAN Karl Wießmann, DJKB Präsident Bernd Hinschberger und Groß-Umstadts Cheftrainer Christian Gradl.