Lehrgang mit Sensei Kunio Sasaki

Lehrgang mit Sensei Kunio Sasaki

Sonntag, 15. April

VON: BILDER: KARATE DOJO GROSS-UMSTADT TEXT: ANDRÉ VELTEN

Am 14. und 15. April 2007 war Sensei Kunio Sasaki, JKA- Instruktor der Philippinen, zu Gast in Groß-Umstadt. Als Dolmetscher unterstützte ihn sein Schüler Julian Chees.

Kunio Sasaki gibt während seines Deutschlandaufenthaltes nur ein paar wenige Lehrgänge, und so strömten zahlreiche Karatekas aller Graduierungen nach Groß-Umstadt am Rande des Odenwaldes.

Trainiert wurde zunächst in zwei Gruppen. Geteilt wurde das Teilnehmerfeld in Unterstufe

( 9. – 5. Kyu) und Oberstufe ( 4. Kyu – Dan), wobei beide Gruppen das gleiche Trainingsprogramm absolvierten. Klarer Schwerpunkt des Trainings und des gesamten Lehrgangs war das Kihon (Grundschule), wobei Sasaki Sensei großen Wert auf korrekte, dynamische Ausführung und kompakte Ausholbewegungen legte.

Für uns als Europäer besonders ungewohnt war, dass wir uns in der ersten Hälfte des Trainings nicht von der Stelle bewegten und sämtliche Übungsformen im Shizentai (Bereitschaftsstellung) praktizierten. Dies wurde in der zweiten Hälfte des ersten Trainings jedoch ganz anders. Bahnenweise, auch recht ungewohnte, Kihonkombinationen gepaart mit sehr schnellen Zählkommandos und äußerst kurzen Verschnaufpausen brachten Körper und Geist eines jeden Sportler gleichermaßen an seine Grenzen.

Zum Ende der Einheit wurden noch einige Übungen für Kraft und Schnelligkeit durchgeführt, die für den Außenstehenden Betrachter wohl wie unkoordiniertes herumwälzen am Boden gewirkt haben dürften.

Nach einstündiger Pause ging es dann für die Oberstufe zusammen mit der Unterstufe in die zweite Runde. In fast allen Augen konnte man die Vorfreude auf das, was da kommen mag, aber auch die Hoffnung, dass Sasaki Sensei einen Gang zurücknehmen würde, lesen.

Etwas lockerer wurde das Training allerdings nur für die Unterstufe, die sich, wie in Japan üblich, erst einmal mit beobachten zufrieden geben musste. Im Klartext heißt dies, dass die Oberstufe am Partner in Form von Gohon-Kumite arbeitete, und die Unterstufe durch zuschauen lernen sollte. Nach und nach stießen die niedrigeren Graduierungen dann zu den „Aktiven“ hinzu. Durch dieses System des Partnerwechselns trafen immer niedrige Kyugrade auf Danträger oder zumindest Braungurte, wovon beide Parteien nur Profitieren konnten.

Am Sonntagmorgen wurde nochmals in getrennten Gruppen trainiert. Die Rechnung vom Vorabend ging hierbei nicht auf:

„Kihon wurde bereits gemacht, Kumite ebenso, sein hier in Deutschland bekanntester Schüler hat den Kata Worldcup gewonnen. Also, was wird jetzt trainiert? Richtig, Kihon und Kumite.“

Dieses Training stand ganz im Zeichen von Reaktions- und Antrittsschnelligkeit. So wurden beispielsweise Dreiergruppen gebildet, die sich in einer Linie Aufstellten, die beiden äußeren den Blick auf den Partner in der Mitte. Dieser hatte nur einen Partner vor sich und einen im Rücken. Nun griffen beide Partner gleichzeitig (Timing!) den in der Mitte stehenden an, wobei wir über die Worte „quick“ und „no control“ verwundert waren. Der mittlere Partner sollte sich mit den Händen im Nacken nur wechselweise links und rechts aus dem Gefahrenbereich rausdrehen.

Alles in allem war der Lehrgang mit Kunio Sasaki sehr schweißtreibend, aber auch sehr lehrreich. Eben ein Training, in dessen Genuss man nicht alle Tage kommt.

Und ich spreche wohl für alle Teilnehmer, wenn ich sage „Danke, und bis zum nächsten mal“.

Und Danke natürlich auch an Julian für die Übersetzung und das Ausräumen kleinerer Missverständnisse.