Kata Special Course 2011 in Groß-Umstadt

Kata Special Course 2011 in Groß-Umstadt

Donnerstag, 21. Juli

VON: TOSHIYA AUSGABE 3/2011

Jeder Verband könnte sich glücklich schätzen, wenn er über ein solch zuverlässiges Ausrichter-Team wie das des Karate Dojo Groß-Umstadt verfügte. Nicht ohne Grund fand dieses Jahr das Kata Special zum 9. Male in der historisch bedeutsamen Stadt zwischen Odenwald und Rhein-Main-Gebiet statt. Was aber keiner ahnen konnte: dieser Special Lehrgang hat sich mittlerweile zu einem der größten Massenveranstaltungen im Karate in Deutschland und über seine Grenzen hinaus entwickelt. Schon einige Wochen vor Himmelfahrt konnte man ahnen, dass der diesjährige Kata Special Course die bisherigen Grenzen sprengen würde. Als dann tatsächlich vom 2. bis 5. Juni zahlreiche Teilnehmer anreisten, war das Team um Christian Gradl gut vorbereitet. Hier zeigt sich natürlich die Erfahrung von den Jahren davor. Außerdem, wer einmal einen Gasshuku ausgerichtet hat, den kann wohl nichts mehr überraschen.

Dem Ausrichter und seinen Helfern wird zwar immer am Ende gedankt und alle ernten ein paar warme Worte, jedoch ist damit noch lange nicht bewusst, wie viele Problembereiche es zu bedenken gibt und dass eben oftmals der Teufel im Detail sitzt. Also: nicht nur großen Respekt an die Organisatoren vom Gasshuku e.V., sondern auch und insbesondere an jene, die zuständig waren für unzählige Bequemlichkeiten und den reibungslosen Ablauf. Dabei denken wir vom Belegen der Brötchen bis zur Bestückung der Toiletten mit Papier. Der Verein verfügt zwar über viele Mitglieder, allerdings sind gut zwei Drittel unter 14 Jahren. Das bedeutete natürlich, dass viele Eltern der Kinder ihre Freizeit in den Dienst der guten Sache stellten. Das, was der Bürgermeister Joachim Ruppert auf der Homepage von Groß-Umstadt verspricht, kann Christian Gradl ungekürzt für sein Team übernehmen: „Live sind wir unschlagbar!“

Dem allgemeinen Stimmungsbild zu Folge erfüllten sich die Erwartungen der angereisten Karateka aus allen Bundesländern, der Schweiz, Frankreich, England und Österreich. Ochi Sensei hatte mit Toribio Osterkamp, Jean-Pierre Fischer aus Frankreich, Thomas Schulze und Julian Chees ein gutes Team zusammengestellt und mit der Verpflichtung des sympathischen und allseits beliebten Tatsuya Naka die Trainergemeinschaft gekrönt. Wenn man im Internet so diagonal über die Homepages einiger Dojos surft, so gibt es durchweg ein positives Feedback. Als in der Ochi-Einheit der Trainingsgruppe ab 2. Dan nach unserer Schätzung so ca. 260 Leute trainierten, dachten wir schon, was nimmt der Einzelne jetzt wohl so mit. Die Zufriedenheit der Teilnehmer kann nur verstehen, wer in der Gemeinschaft mittrainiert und das Vibrieren spürt, wenn über zweihundert Schwarzgurte einen Kiai zelebrieren, der in komprimierter Form alles zum Ausdruck bringt, was unser Karate ausmacht.

In jeder Faser des riesigen Geflechts Kata Special ist natürlich zu spüren, dass der Energielieferant und die gute Seele der gesamten Veranstaltung Ochi Sensei ist. Er kümmerte sich am Rande des Groß-Events auch um die Belange von Farbgurten, stand jedem Fotowunsch wohlwollend gegenüber und war jederzeit in den Pausen für jeden ansprechbar. Keiner konnte ahnen, dass er erst einen Tag vor dem Training aus Florida angereist war und unmittelbar nach Ende der Veranstaltung wieder nach Philadelphia zum nächsten Gasshuku in die USA fliegen würde.

Die Themen abends in den Gaststuben kreisten natürlich um die Katas des Tages und das Bedürfnis, einer totalen Dehydrierung am nächsten Tag wegen der unglaublichen Hitze in den Hallen mit entsprechender Mengen Weizenbier präventiv zu begegnen. Kaum einer vergegenwärtigte dabei, dass sich Groß-Umstadt wegen seiner 56 ha großen Weinanbaufläche mit dem Etikett der Odenwälder Weininsel schmückt. Jedenfalls dürfte das Kata-Special einen statistischen Ausreißer beim Weizen-Konsum in der Kleinstadt verursacht haben.

Die Stimmung insgesamt unter den Teilnehmen war immer harmonisch und man hatte das Gefühl, Bestandteil einer großen Familie zu sein. Ganz so harmonisch wird es in einer Gaststätte in Semd, einem Dorf, welches heute zu Groß-Umstadt gehört, vor knapp 300 Jahren nicht zugegangen sein. Dort wurde im „Gasthof zum Engel“ der Odenwald-Räuber Johann Adam Heusner von dem legendären Räuber und Mörder „Schinderhannes (Johannes Bückler) derbe verprügelt. Auch Selbstverteidigungskenntnisse hätten den Heusner nicht vor seinem späteren Schicksal bewahrt. Er wurde 1814 in Darmstadt hingerichtet. Schinderhannes wurde allerdings schon im Jahre 1803 durch die Guillotine am 21. November in Mainz dekapitiert.

Wie die Resonanz im nächsten Jahr sein wird, wenn sich die Trainingsgemeinschaft in Wangen im Allgäu trifft, kann niemand vorhersagen. Der Gasshuku 2012 findet ja wieder in Konstanz am Bodensee statt. Es bleibt zu hoffen, dass die „Nordlichter“ zu beiden Terminen den Weg in den Süden finden.

Wir nutzten die Gelegenheit, um den Dojoleiter von Groß-Umstadt, Christian Gradl einige Fragen zu stellen.

toshiya

Christian, Du hast in der Vergangenheit schon einige große Events nach Groß-Umstadt geholt. War der diesjährige „Kata Special Course“ die bisher größte Herausforderung?

Christian Gradl

Ja und Nein. Wir hatten ja im Jahr 2000 das Gasshuku in Groß-Umstadt gehabt. Das ging über eine ganze Woche. Aber durch die hohe Teilnehmerzahl, die beim Kata Special Course 2011 höher lag wie beim Gasshuku 2000 war die Herausforderung sicherlich größer. Allerdings die Erfahrung auch.

toshiya

Solche Großereignisse lassen sich nur mit einem gut eingespielten Team bewerkstelligen. Hast Du alles mit Kräften aus dem eigenen Dojo bewältigen können oder gab es Unterstützung durch andere Dojos?

Christian Gradl

Ja, es waren ausschließlich Helfer aus unserem Dojo. Allen voran die Mitglieder, die Eltern, Opas und Omas unserer vielen Kinder und meine ganz persönlichen Freunde aus Groß-Umstadt.

toshiya

Gab es bei der Vorbereitung besondere Stolpersteine oder bei der Durchführung ungeahnte Probleme?

Christian Gradl

Hier bin ich stolz sagen zu können, dass alles wie am Schnürchen geklappt hat. Zweieinhalb Jahre Vorbereitungszeit mit einem eingespielten Team, unterstützt von unseren jungen Nachwuchskräften führten diese einmalige Veranstaltung zum Erfolg und wird mit Sicherheit in die Geschichte eingehen.

toshiya

Das besonders schöne Wetter wird allen Teilnehmern dieses Jahr besonders in Erinnerung bleiben. Gab es Engpässe bei der Versorgung?

Christian Gradl

Es gab verständlicherweise überall Engpässe, nicht nur bei der Versorgung. Aber diese wurden von meinem Team, auf das ich sehr stolz bin, so gelöst, dass es von außen keiner der Teilnehmer groß mitbekommen hat. Dafür spricht die Erfahrung meines Teams.

toshiya

Hast Du eine Erklärung dafür, warum der Lehrgang so außerordentlich gut besucht war und vermutlich zu den größten Kata-Lehrgängen Europas zählen wird?

Christian Gradl

Das lag mit Sicherheit am Trainerteam, das mein Sensei, Hideo Ochi zusammengestellt hat. Und natürlich an unserer schönen Stadt am Fuße des Odenwalds, Groß-Umstadt. Die zentrale Lage und die Infrastruktur spielte da auch eine Rolle, könnte ich mir vorstellen. Außerdem weiß man in Groß-Umstadt was man hat. Wo Groß-Umstadt draufsteht, ist auch 100% Groß-Umstadt drin. Ein bekannter Slogan in unserer Stadt ist: „Wir in Umstadt“ der trifft hier zu.

toshiya

Wie hat die Zusammenarbeit mit den Referenten funktioniert?

Christian Gradl

Ohne Probleme, es ging alles Hand in Hand. Man arbeitet ja auch schon viele Jahre zusammen.

toshiya

Welche Pläne hast Du für Dich persönlich und das Dojo für die nächste Zeit?

Christian Gradl

Für mich persönlich steht die Gesundheit im Vordergrund und dass ich noch ganz, ganz viele Jahre meine Zukis und Geris machen kann. Für das Dojo wünsche ich mir, dass der Zusammenhalt, der meiner Meinung nach hervorragend ist, noch lange Bestand hat und viele Menschen egal welchen Alters den Weg zu uns finden!

„Live sind wir unschlagbar!“

Zitat Bürgermeister Joachim Ruppert

 

Christian Gradl Kurzporträt

Christian Gradl, 20.02.1959 in Sonthofen im Allgäu geboren.

Gelernter Bürokaufmann.

Begann mit Karate 1975 unter Xaver Eldracher.

1988 Prüfung zum 1. Dan, seit 2007, 5. Dan. Seit 1992 Cheftrainer im Karate Dojo Groß-Umstadt.

Im Jahr 1997 zum DJKB Stützpunktleiter Rhein-Main-Neckar berufen.

 

toshiya, Ausgabe 3/2011