Karate mit Frau Ochi

Karate mit Frau Ochi

Samstag, 22. September

VON: DOROTHE DORSCHEL, ODENWÄLDER BOTE

Hochkarätige Trainerin bei Lehrgang in der Heinrich-Klein-Halle

Als eine von wenigen Frauen hat Tomie Ochi aus Japan den jüngsten Karate-Lehrgang in Groß-Umstadt geleitet. Auf Einladung des Karate-Dojos Groß-Umstadt trainierte sie gemeinsam mit Kirsten Manske aus Bremen die vielen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die in die Heinrich-Klein-Halle gekommen waren. Die 73jährige Ehefrau des in Groß-Umstadt wohl bekannten Sensei Hideo Ochi führt pro Jahr lediglich einen Lehrgang durch und wurde daher aufs herzlichste nicht nur von Dojoleiter Christian Gradl, sondern auch von Bürgermeister Joachim Ruppert willkommen geheißen, bevor es für alle an die schweißtreibende Tätigkeit des intensiven Trainings ging.

Nach einem einwöchigen Urlaub in Oberstdorf war Tomie Ochi nach Groß-Umstadt gereist, wo sie auf Einladung des Karate-Dojos einen Lehrgang in der Heinrich-Klein-Halle durchführte. Bergsteigen sei ihr großes Hobby, verriet die 73jährige im Gespräch. „Felsen klettern“ nannte sie es, auf einer Bank vor der Sporthalle die spätsommerlichen Sonnenstrahlen genießend. Für viel mehr nebenher sei kaum Zeit, wo sie nach wie vor viermal pro Woche im eigenen Karate-Dojo Training gibt und auch die anfallenden Tätigkeiten wie Büro- und Verwaltungsarbeiten bewältigt.

Nachdem die kleine Frau zwei noch kleineren Mädchen ihr Autogramm in japanischen Schriftzeichen auf den Karategürtel gegeben hatte, platzten Elora und Anna, beide neun Jahre alt, fast vor Stolz. Seit einem Jahr üben die beiden bei Christian Gradl. „Das hier ist unser erster Lehrgang und gleich mit Frau Ochi.“ Alle Teilnehmer hätten sehr fleißig mitgemacht, lobte diese und bestätigte höflich, „alle haben einen guten Ausbildungsstand“. Manche jedoch, sagte sie mit einem nachsichtigen Lächeln im nahezu faltenlosen Gesicht,

seien „ein wenig ungeduldig vielleicht“. Große Ruhe hingegen strahlte die Japanerin mit dem grauen Kurzhaarschnitt aus, die zwar leise, aber sehr bestimmt die Kommandos erteilte und den Teilnehmern in Groß-Umstadt sehr viel abverlangte. Tomie Ochi beeindruckte durch ihre konsequente Art, mit der sie jeden einzelnen zu motivieren verstand.

Über den Unterschied zwischen europäischen und asiatischen Karateka befragt, sinnierte die 73jährige etwas länger. „Die Europäer wollen immer mehr die spektakulären Techniken. Japaner legen mehr Wert auf die Grundschule.“ Das sei sicherlich auch in der unterschiedlichen Kultur begründet. Von den drei Säulen des Karate-Training – Kihon, Kata, Kumite – sei eben jene Grundschule, Kihon, am allerwichtigsten.

Bei ihr zuhause, sagte Frau Ochi, beginnen alle Kinder spätestens in der Schule mit Karate oder auch Judo. „Mit elf oder zwölf Jahren ist das Pflicht.“ Sie selbst habe hingegen „etwas spät angefangen“, mit immerhin 23 Jahren, damals als einzige Frau im Dojo. Umso besser beherrscht sie jetzt nicht nur die hohe Kunst des Karate, sie ist eine hoch qualifizierte Trainerin und vor allem eine strenge Lehrerin, wie sich zeigte. Zu einem großen Erfolg wurde dieser Lehrgang schließlich, gingen doch alle Teilnehmer zufrieden, wenngleich ziemlich erschöpft, nach Hause. Manch einen, so schien es, hatte Tomie Ochi an seine Grenzen geführt.

Frau Ochi und Kirsten Manske in Groß-Umstadt