Karate im Lande der Kiwis!

Karate im Lande der Kiwis!

Dienstag, 24. Juli

VON: BERICHT UND BILDER: ALIDA SCHMIDT-SPEICHER, KARATE DOJO GROSS-UMSTADT

Umstädter Karateka in Neuseeland

Im September 2006 war es endlich so weit: Das Abi war geschafft und ich saß im Flugzeug auf dem Weg nach Neuseeland - ans andere Ende der Welt. Was mich im Lande der Kiwis - wie sich die Einwohner humorvoll, aber auch mit Stolz selbst nennen – erwarten würde, wusste ich nicht. Ich hatte einen Rucksack, ein Arbeitsvisum und sieben Monate Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen. Noch in Deutschland hatte mir mein Trainer Sensei Christian Gradl vom Karate Dojo Groß-Umstadt zwei Adressen von Trainern in Neuseeland vermittelt. Mit beiden hatte ich bereits per Email kurz Kontakt aufgenommen.

Zuerst war ich recht skeptisch, überhaupt einen Gürtel mitzunehmen, denn mein Rucksack war sowieso schon voll und ich war mir nicht sicher, ob sich diese Karateadressen überhaupt realisieren würden. Als ich dann tatsächlich in Auckland, der größten Stadt Neuseelands stand und keinen Menschen kannte, war mir recht mulmig zumute; aber ich war gespannt darauf, was auf mich zu kommen würde. Überraschenderweise erhielt ich dort dann eine kurze Email. Darin teilte mir Sensei Ray Irving vom Karate Dojo Pukekohe mit, dass er mich am nächsten Tag abholen würde und für mein Training, meine Unterkunft und auch für einen Job gesorgt sei. Obwohl ich immer noch eher skeptisch war – denn ich kannte weder diesen Sensei noch das Dojo und ich war neu und allein in dem fremden Land- durfte ich gleich erleben, wie gastfreundlich und zuverlässig die Kiwis sind.

Am Anfang wohnte ich bei Sensei – wie er auch außerhalb des Dojos genannt wird, sodass einige „Sensei“ für seinen Vornamen halten – selbst. Bei ihm lernte ich nicht nur die Umgebung kennen und die neuseeländische Küche zu schätzen, sondern ich hatte auch jeden Tag mindestens einmal Training. Sensei, von Beruf Marinesoldat und seit seinem Ausscheiden aus der Armee Maler hat im Karate den fünften Dan erreicht. Er ist Instructor in Neuseeland. Vormittags unterrichtete er einzelne Schüler, die teilweise Vollkontakt-Karate trainierten oder einfach so besser werden wollten. Das waren harte, aber auch sehr lustige Trainings, die mir oft gehörigen Muskelkater bescherten. Meistens waren wir dabei nur zwei Schüler und Sensei selbst. Die normalen Trainings, die jeden Abend stattfinden, gliedern sich in drei Gruppen, wobei nur die höchste Gruppe von Sensei selbst unterrichtet wird. Die anderen Trainings geben die niedrigeren Gurte, wobei jede Gürtelstufe separat trainiert wird. Für mich war es ein ganz besondere Aufgabe, neuseeländischen Kindern Karate auf Englisch beizubringen, da ich anfangs durch mein Schulenglisch nicht viele kampfsportspezifische Vokabeln hatte. Aber mit Händen und Füßen ging es doch gut. Übrigens lernen es Kiwi-Karatekas ganz schnell, ihre Gürtel nicht zu vergessen, denn wem das passiert, den erwartet ein Training mit viel Spott – er muss einen rosa Gürtel tragen, der für solche Fälle extra im Dojo bereitliegt.

Freitags abends fand dann das Squad Training statt, also das Wettkampftraining, zu dem auch ein Trainingscamp gehörte. Insgesamt wird in Neuseeland viel mehr Kumite trainiert als in Deutschland, was in dieser Gruppe ganz besonders deutlich wurde. Kihon gab es nur am Rande, Kata ab und zu vor den Wettkämpfen; Freikampf jedoch war das Zentrum des Trainings und wurde ausführlich, sehr hart und auch mit relativ viel Kontakt (viele trugen Handschuhe) trainiert.

Den Abschluss meiner ersten Zeit in Pukekohe bildete das Trainingscamp in Whangamata, das als Vorbereitung für einen großen internationalen Wettkampf in Japan diente. Hierzu fuhr das ganze Team in ein Ferienhaus an der Küste. Wer sich jedoch auf ein entspanntes Wochenende am Strand gefreut hatte, musste feststellen, dass man auch ohne Halle super harte und schöne Trainings haben kann. Wir waren elf Teilnehmer, von denen die Jüngste dreizehn und die Älteste 40 Jahre alt war. Das erste Training war gleich Samstagnacht um 2:00Uhr. Obwohl ich eigentlich zu jeder Zeit vom Karate begeistert bin, ist das doch eine gewöhnungsbedürftige Trainingszeit. Wir hatten es abends nicht ernst genommen, als das angekündigt wurde, aber ohne Gnade hieß es mitten in der Nacht aufstehen. Dabei wurden im Garten eine Stunde lang Katas und grundlegende Partnerübungen geübt. Um 6:00Uhr begann dann ein zweistündiges Training am Strand. Dieses Gefühl werde ich wohl nie vergessen, mit elf Karatekas bei Sonnenaufgang an einem traumhaften Südseestrand zu stehen und Karate zu trainieren. Das Trainieren im Sand hat ganz besondere Tücken: Zum einen muss man darauf achten, nicht in Muscheln zu treten und zum anderen versucht man zu verhindern, bei den Tritten den Partner komplett mit Sand zu bewerfen. Ab 7:00 Uhr hieß es dann für alle ins Wasser zu gehen. So standen wir dann mit Kleidung anfangs bis zu den Knien, später bis zur Hüfte im Wasser und versuchten trotz der Kälte – immerhin ist im Oktober in Neuseeland gerade Frühlingsanfang - unsere Katas gegen die Wellen zu laufen. Da die Wellen jedoch recht hoch waren, war das ein sehr wackeliges Unterfangen. Außerdem war besonders morgens, wenn wir, um die Tritte ohne fliegenden Sand zu üben, auf den Rasen auswichen, auf dem Gras die Kälte ein Problem. Dieses war komplett mit Raureif überzogen und fast gefroren, sodass uns danach das Wasser direkt warm vorkam.

Bei den weiteren Trainings ging es hauptsächlich um Kumite, wobei unsere Gis doch sehr litten. Denn man sieht es einem weißen Anzug sehr deutlich an, wenn man im Gras gefegt wird oder wenn man einen durch die feuchte Erde und das Gras ganz schwarzen Fuß plötzlich auf dem Gi hat. Aber das war es mehr als wert. Außerdem übten wir viel mit Focus Pads, was uns viele blaue Flecken bescherte und wir mussten Katas mit verbundenen Augen laufen, was auf Grasboden mit Steinchen und Stöckchen doch ein ganz eigenartiges Gefühl ist.

Natürlich trainierten wir nicht den ganzen Tag, sodass auch Zeit fürs Cricketspielen und Baden war. Abends schauten wir die Karatekid-Filme und Sensei ließ sich dadurch so inspirieren, dass wir am nächsten Morgen alle auf schmalen Bänken oder Pfosten standen, um das Gleichgewicht bei verschiedensten Tritten und Sprüngen zu trainieren. Dabei galt, dass wenn jemand runter fiel, derjenige selbst und seine Nachbarn Liegestützen machen mussten. Das schulte das Teambewusstsein enorm, denn jeder versuchte natürlich im Ernstfall seinen Nachbarn zu stützen und vor dem Runterfallen zu bewahren.

Nach dem Camp war es für mich Zeit, weiterzureisen und ich erkundete den Norden Neuseelands. In der „Bay of Islands“ wanderte ich viel und unternahm auch eine dreitägige Segeltour durch eine wahre Traumlandschaft. Wir segelten zwischen Südseeinseln umher und auf einer spielte ich sogar unabsichtlich „Robinson“, weil ich mich verlief und die Bucht mit unserem Segelschiff nicht fand. Glücklicherweise wurde ich jedoch bald von meinem Mitseglern gefunden. Besonders schön waren für mich auch das Kayaken, das Schnorcheln und natürlich die vielen hundert Delfine, die uns lange begleiteten.

Nach drei Wochen Arbeiten und Reisen kehrte ich jedoch schon nach Pukekohe zurück, um an einem Wettkampf teilzunehmen. Hierbei handelte es sich um ein Turnier, für das Karatekas aus ganz Neuseeland angereist waren. Ich startete in der „Kata Senior Womens’ Purple to Brown Divison“ und gewann diese auch. Danach hatte ich nur das Problem, einen Pokal in meinem sowieso schon überfüllten Rucksack unterzubringen.

Mittlerweile war es November geworden und meine nächste Karate-Station war ein Dojo in Whakatane, einem Ort an der Pazifikküste der Nordinsel. Wieder einmal spürte ich die Kiwi-Gastfreundschaft, denn Lynnes Haus war keineswegs groß oder auf Gäste eingerichtet, aber dennoch durfte ich nicht in einem Backpackers, also in einer Jugendherberge wohnen, sondern sie bestand darauf, dass ich als Gast in ihre Familie kam. In diesem Dojo fiel mir als Besonderheit auf, dass Eltern während des Kindertrainings hinten saßen und ihre Kinder unabhängig von dem trainierenden Sensei verbesserten und ermahnten – eine doch gewöhnungsbedürftige Sitte.

„Der Herr der Ringe“ – spätestens seit es diese Filme gibt, ist Neuseeland als landschaftlich überwältigendes Land bekannt und viele Fans fahren gezielt zu den Drehplätzen. Dafür bieten unzählige Companys teure Touren an, obwohl die Landschaft neben den Filmschauplätzen doch mindestens genauso schön ist. Dennoch besuchte ich „Hobbington“, den Ort, in dem die Szenen im Auenland gedreht wurden, und ich kam ungeplant an vielen Drehorten vorbei. So fuhr ich während einer einwöchigen Fahrradtour quer durch „Rohan“ und wanderte mitten durch Mordor über einen Vulkan. Bis dahin hatte ich im Film das Gefühl, das Mordor heiß und trocken wäre, aber auf der Wanderung, die ich mit zwei Freunden unternahm, regnete es permanent in Strömen, es war eiskalt und der Wind war so stark, dass wir nur schrittchenweise vorwärts kamen. Dennoch war es nicht nur beeindruckend, sondern auch schön, das gemeinsam durchzustehen. In Wellington, der Hauptstadt Neuseelands. war ich im „Embassy Theater“, dem Kino, in dem die Premiere vom dritten Teil der Trilogie stattfand. Dort war sogar an jedem Kinosessel ein Namensschild angebracht, auf dem Stand, wer bei der Premiere wo saß. Dies alles zeigt, dass die Kiwis selbst stolz darauf sind, dass ihr Land durch den Film so bekannt wurde.

Als nächstes fuhr ich nach Palmerston North zu einem Wettkampf von Sensei Steve Elers. Sensei Steve war 2003 einmal in Darmstadt zu einem Wettkampf gewesen und lernte dort Sensei Christian Gradl kennen. Dieses Treffen war der Ursprung fast aller meiner Karatekontakte in Neuseeland. An dem Wettkampf in Palmerston North nahmen Sportler aus völlig verschiedenen Kampfsportarten aus ganz Neuseeland teil, was auch die Bewertung schwierig machte. So gab es nicht nur Shotokan Karatekas, sondern Steve Elers selbst unterrichtet Shito Ryu Karate, und sogar Kungfuleute traten an. Diesmal musste ich in der höchsten Damenabteilung starten, hatte aber gegen die vielen Schwarzgurte nur wenig Chancen. Meinen Freunden aus Pukekohe fehlte eine Person in ihrer Katamannschaft, sodass ich spontan einsprang. Wir nahmen – mehr aus Spaß als aus Ehrgeiz - als Team Auckland teil und erreichten tatsächlich den dritten Platz, was uns selbst am aller meisten verwunderte und uns auch stolz machte.

In Palmerston North trainierte ich auch im Dojo mit und ich merkte, dass Shito Ryu doch sehr anders ist. Wir übten die Judorolle, liefen mir völlig fremde Katas mit anderen Ständen und trainierten viel mehr mit Kontakt, als ich das aus den Shotokan Dojos gewöhnt bin. Dennoch war es nicht nur interessant sondern auch schön, da die Karatekas sehr nett und lustig waren.

Da sich meine Reisekasse doch meistens schneller leerte, als mir das recht war, arbeitete ich während meines Aufenthaltes in Neuseeland häufig. Als Backpacker hat man dabei jedoch kaum Chancen auf angenehme Jobs, sondern man arbeitet zu niedrigsten Löhnen in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft. Mit einer Freundin zusammen war ich zum Beispiel eine Weile lang „Apple Thinner“. Unsere Aufgabe bestand darin, in einer riesigen Apfelplantage diejenigen Äpfel die einen kleinen Makel, also eine raue Stelle hatten oder die einfach etwas zu klein waren, abzupflücken und auf den Boden zu werfen. Von ca. 900 Äpfeln pro Baum mussten wir ungefähr 300 „thinnen“ - was für eine Verschwendung. Glücklicherweise waren wir zu zweit, denn so konnten wir es von der lustigen Seite betrachten, dass wir acht Stunden täglich wirklich harte körperliche Arbeit im Akkord verrichteten und dafür umgerechnet knapp zwei Euro pro Stunde erhielten. Obwohl wir also kaum etwas verdienten, so gaben wir in dieser Zeit jedoch auch kein Geld aus. Außerdem lernten nebenbei noch nette Kiwis, die auch als Thinner dort arbeiteten, kennen und diese organisierten sogar ein Barbecue extra für uns.

In Neuseeland gibt es die Möglichkeit, auf ökologisch orientierten Farmen halbtags zu arbeiten und dafür kostenfrei dort zu wohnen und verpflegt zu werden. Dieses Wwoofing (willing workers on organic farms) ist dem Prinzip nach eine tolle Erfindung, weil man so das Leben eines Kiwis auch mal aus der landwirtschaftlichen Perspektive kenne lernt. In der Praxis hängt es jedoch ganz davon ab, wie die Familie, in der man landet, veranlagt ist. Auf meiner ersten Farm zum Beispiel war ich anstatt eines Gastes eine Art Dienstmagd, die neben der Arbeit im Garten noch die Küche machen und die Farmer mit Tee und Kaffee bedienen musste. Glücklicherweise lag diese Farm landschaftlich einfach wunderschön, sodass ich wenig Zeit in meinem Schlaf-Schuppen verbrachte, den ich zudem noch mit unzähligen Spinnen und Kakerlaken teilen musste. Verständlicherweise hielt es mich auf dieser Farm nicht sehr lange, aber dennoch versuchte ich ein paar Wochen später mir einer anderen Backpackerin zusammen mein Glück auf der nächsten Farm. Dort war die Arbeit in Ordnung - wir pflückten den ganzen Tag Sauerkirschen – jedoch wurden wir von der Besitzerin fast ignoriert, es sei denn, sie teilte uns mit, dass wir bitte schneller arbeiten sollten. Auf dieser Farm wohnten wir in einem winzigen uralten Wohnwagen, der weder einen Wasser- noch einen Stromanschluss hatte und in dem wir uns zu zweit ein kleines Bett teilen mussten. Insgesamt war die Woche dort jedoch schön, weil wir einen Tag lang auch eine große Wanderung unternahmen, und weil man zu zweit doch über viele Dinge einfach lachen kann. Die letzte Farm, auf der ich arbeitete, war eine Milchfarm, auf der außer mir noch zwei deutsche Jungs ebenfalls „wwooften“. Dort war es wirklich schön, obwohl wir natürlich auch kräftig ausgenutzt wurden, jedoch durfte ich dort im Haus selbst wohnen und die Farmbesitzer waren an ihren Gästen interessiert. Außerdem: Es hat durchaus seinen Reiz, morgens um 4:30 Uhr 570 Kühe zu melken.

Anfang Dezember wechselte ich von der Nord- auf die Südinsel und erreichte ein Örtchen namens Hokitika, in dem ich den ganzen Advent und über Weihnachten blieb. Hier wohnte ich bei einer Freundin Claire, die ich auf dem ersten Wettkampf kennen gelernt hatte und die das Dojo in Hoki leitet, und ihrem Verlobten. Als ich dort einmal bei einer Gürtelprüfung zuschauen durfte, bemerkte ich, dass der Freikampf dort ein fester Bestandteil jeder Prüfung inklusive der Gelbgurtprüfung ist.

In Hokitika trainierte ich einen Monat regelmäßig. Als einmal die Halle besetzt war, trainierten wir in einem Park in der Stadt und es war doch ungewöhnlich, das „Dojo“ mit Rugby- und Cricketspielern zu teilen – eine ganz eigenartige Erfahrung. Nach vier Wochen war es an der Zeit, weiterzureisen, sodass ich kurz vor Silvester Hoki verließ.

Als nächstes folgte eine Zeit in der ich nicht viel Karate trainierte, dafür jedoch umso mehr wanderte. Denn Neuseeland ist ja das Wanderparadies schlechthin und so unternahm ich einige Mehrtageswanderungen. Eine dieser Wanderungen führte mich fünf Tage über den Abel Tasman Coastal Track. Dies ist ein Weg durch einen wunderschönen National Park mit Traum-Südsee-Stränden und fast unberührtem Busch. In ganz verschiedenen Ecken von Neuseeland hatte ich Leute kennen gelernt, die auch gerne dort wandern wollten, sodass wir eine lustige Gruppe von zehn deutschen Backpackern waren, die diesen Track unsicher machten. Aufgrund der Ebbezeiten mussten wir auch einmal morgens um fünf Uhr starten, um eine „Low Tide Route“ zu überqueren, auf der mir das Wasser immer noch bis fast an die Hüfte reichte.

Die nächste große Wanderung unternahm ich alleine. Ich wollte mal sehen, ob ich auch alleine dazu in der Lage bin, drei Tage lang durch einen National Park zu wandern. Stewart Island ist eine kleine Insel ganz im Süden von Neuseeland und dort wanderte ich dann durch Regenwald, sah lustige Papageien und kämpfte mich durch Schlamm, in dem ich oft bis über die Knöchel einsank. Obwohl ich mit meinem großen Rucksack sogar klettern musste und im strömenden Regen einige sehr wackelige Drahtseilbrücken zu überqueren hatte, genoss ich doch jeden Schritt dieses „Abenteuers“.

Im März erreichte ich dann Christchurch, die größte Stadt auf der Südinsel. Dort konnte ich gleich zwei Dojos besuchen. Zum einen hatte mich Sensei Christian Gradl schon im Vorhinein an das Dojo von Sensei Dieter Steineck vermittelt. Das Training in diesem Dojo machte mir großen Spaß, weil es doch dem Training, das ich aus Deutschland kenne, recht ähnlich war. Außerdem hatte ich noch einen anderen Trainer aus Christchurch auf dem Wettkampf in Pukekohe kennen gelernt, sodass ich natürlich auch ihm einen Besuch abstattete. Dieses Dojo hatte eine lustige Art des Aufwärmtrainings: Es wurde Fußball gespielt und die Mannschaft, die ein Tor erzielte, durfte die „Strafe“ für die andere Mannschaft bestimmen, sodass es dort gleich mit Situps und Liegestützen losging. Außerdem trainierten sie auch das „Promise-Kumite“, bei dem man dem Partner verspricht, ihn nicht zu treffen. Dies wird dadurch gewährleistet, dass sich die Partner im Abstand von fünf Metern gegenüber stehen und sich auf keinen Fall berühren dürfen. Dabei lernt man, sich seine Techniken im Freikampf bewusst zu machen und nicht aus dem Affekt zu handeln. Oft steht noch ein dritter Partner daneben und bewertet die „Treffer“ der Kämpfenden. Zuerst war ich skeptisch, aber diese Art des Freikampfes ist doch effektiver als ich erwartet hatte.

Danach war es leider bald Zeit für mich, gen Heimat zu fliegen. Ich besuchte noch einmal mein Dojo in Pukekohe verabschiedete mich schweren Herzens von meinen Kiwi-Karate-Freunden.

Als Fazit von meiner Karatezeit im Lande der Kiwis lässt sich sagen, dass ich in sieben Monaten neun verschiedene Dojos besuchte, drei verschiedene Stile trainierte, zu Gast in sieben Karatefamilien war und fünf neue Katas lernte.

Zu den wertvollsten Erfahrungen dieser langen Reise ans andere Ende der Welt gehören sicher die vielen neuen Kiwi-Karate Freundschaften, und ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem meine Kiwi-Freunde nach Deutschland kommen, um hier zu trainieren.