Gasshuku 2000 von Montag, dem 24. bis Freitag, dem 28. Juli 2000 in Groß-Umstadt

Gasshuku 2000 von Montag, dem 24. bis Freitag, dem 28. Juli 2000 in Groß-Umstadt

Freitag, 28. Juli

Aus unserer örtlichen Presse haben wir eingige Artikel für Euch hier wiedergegeben. Die am Ende der Veranstaltung ermittelte Teilnehmerzahl beläuft sich auf ca. 730. Die in den Artikel gennanten höheren Zahlen erklären sich aus unseren Planungs- bzw. Erwartungsdaten für die Organsiation.

Meister der Kampfkunst beweisen ihr Können

Im hessischen Groß-Umstadt, am Rande des Odenwalds, dreht sich vom kommenden Montag, 24. Juli bis 28. Juli alles um die traditionelle japanische Kampfkunst Karate. Mehr als 1000 Aktive werden zum so genannten Gasshuku 2000 erwartet, einem Großlehrgang mit Teilnehmern aus dem In- und Ausland.

Karateka aller Alters- und Graduierungsstufen können bei dem vom Karate-Dojo Groß-Umstadt ausgerichteten Welttreffen unter fachkundiger Anleitung von Instruktoren des DJKB (Deutscher JKA Karate Bund) sowie mehrerer internationalen Gasttrainer ihre Techniken verbessern. Prominentester Besucher der Weinstadt und Unterrichtsleiter wird Shihan (Großmeister) Hideo Ochi sein, Begründer und Hauptlehrer des DJKB.

Kurzentschlossene haben am morgigen Sonntag von 17 bis 21 Uhr noch die Gelegenheit, sich für den Lehrgang anzumelden, und zwar im Portugiesischen Club, Georg-August-Zinn-Straße 68. Die Gebühr von 180 Mark ist bar zu entrichten.

Wer lieber zuschaut, dem wird bei einer Demonstration am Donnerstag, 27. Juli, ab 19 Uhr Karate in Perfektion geboten. Gegen drei Mark Eintritt zeigen Meister der Jahrhunderte alten Kampftechnik in der Heinrich-Klein-Halle ihr Können.

quik

Frankfurter Rundschau, 22.07.20000

Gasshuku in Groß-Umstadt

Karate: "Hartes Trainingslager" ab Montag

(lisa). Gasshuku bedeutet - aus dem Japanischen übersetzt - hartes Tainingslager. Man sagt auch: "Erst schön, wenn es vorbei ist", erklärt Holger Göldner, Sprecher des Groß-Umstädter Karate-Dojos. Dennoch freut sich Göldners Verein auf das diesjährige Gasshuku. Das Welttreffen der Karateka, das Montag (24.) beginnt und am Samstag (29.) endet, wird in Groß-Umstadt ausgetragen. Über 1000 Sportler aus Europa, Neuseeland und Asien werden dreimal täglich unter Anleitung der Instruktoren des Deutschen JKA-Karatebundes sowie der hoch graduierten internationalen Meister trainieren. Die Veranstaltung ist Göldner zufolge außerhalb Japans einzigartig. Jedes Jahr wird sie von - einem anderen deutschen Verein ausgetragen - im vergangenen Jahr in Konstanz, vor einiger Zeit in Darmstadt. Das Gasshuku, seit 1972 unter der Leitung des Chief - Instructor für Deutschland und Europa, Shihan Hideo Ochi (achter Dan), gilt als das größte seiner Art in Europa. Als Gasttrainer haben sich diesmal der Cheftrainer USA-South Yutaka Yaguchi, der Schweizer Cheftrainer Koichi Sugimura, der thailändische Cheftrainer Fujikiyo Omura, Shinji Akita (Großbritannien) sowie Dieter Steinegg (Neuseeland) angekündigt. Geübt wird täglich von 7.00 bis 18.00 Uhr in der Heinrich-Klein-Halle (Groß-Umstadt), in der Ernst-Reuter Halle (Hacker-Siedlung) sowie in der Sporthalle Semd. Für Donnerstag, (27.) ist eine Karate-Gala geplant.

Bei Gastgeber Karate-Dojo Groß-Umstadt trainieren zurzeit 250 Mitglieder in 16 Übungseinheiten, die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Christian Gradl (dritter Dan) leitet zugleich den Bundesstützpunkt Rhein-Main-Neckar. Seit sechs Jahren wird in Groß-Umstadt zudem das "Kata-Special" ausgetragen. Laut Holger Göldner ein "kleines Gasshuku" - ein internationales Trainingstreffen für die Disziplin Kata (Schattenkampf).

Darmstädter Echo, 22.07.2000

Der Kampfschrei unter Funakoshis Blick

Gasshuku in Groß-Umstadt: Wenn der Karate-Lehrer spricht, müssen die Schüler schweigen

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: der Schweizer Cheftrainer Koichi Sugimura (siebter Dan) und Yutaka Yaguchi (achter Dan), Cheftrainer für die USA Süd. Sugimura wirkt zurückhaltend, gilt als der Mann für Technik-Feinheiten und spricht so leise, dass auch die Zuschauer den Atem anhalten. Yaguchi kommandiert dagegen mit kräftiger Stimme, klopft einem Schüler schon mal auf die Schulter oder korrigiert mit der Fußspitze dessen Beinstellung. Die Gruppen aus je rund hundert Karateka, die in der Groß-Umstädter Heinrich-Klein-Halle Bewegungen und Schritte üben, folgen den Anweisungen beider Trainer bedingungslos.

Sprechen, sagt Dr. Holger Göldner vom Karate-Dojo Groß-Umstadt, darf beim Training nur der Lehrer. Die Schüler geben höchstens den Kampfschrei Kiai von sich. In eineinhalbstündigen Einheiten trainieren sie von Montag bis Freitag in drei Groß-Umstädter Hallen. Gasshuku, das auf Japanisch hartes Trainingslager - bedeutet, wird jedes Jahr an einem anderen Ort in Deutschland ausgerichtet - diesmal in Groß-Umstadt.

Rund tausend Karateka haben sich angekündigt die meisten aus Deutschland, die am weitesten gereisten aus Neuseeland. Die Trainer stammen überwiegend aus Japan. Die Veranstaltung gilt als die größte dieser Art in Europa. Koordiniert wird sie vom deutschen Gasshuku-Verein. Das Dojo Groß-Umstadt kümmert sich dagegen um die Infrastruktur. Viele Gäste übernachten auf Zeltplätzen. Die Hotels in der Gegend, sagt Göldner, sind belegt. Das Ausrichten bringe neben Arbeit "Ehre, aber sie bedeutet im Karate viel".

Die Umstädter haben mit dem Organisieren Erfahrung. Seit sechs Jahren laden sie zum Kata-Special ein, einem Welttreffen ähnlich dem Gasshuku, das sich allerdings auf die Disziplin Kata (Schattenkampf) beschränkt. Beim Gasshuku wird dagegen auch der Partnerkampf Kumite trainiert. Die, gezielten Stöße werden vor dem Körper des Partners abgebremst. "Disziplin ist ganz wichtig", sagt Holger Göldner, "wer keine hat, ist gefährlich und fliegt raus."

Karate, so heißt es, ist kein Sport - sondern eine Einstellung. Zu der gehört auch, Stärken und Schwächen des Gegners anzuerkennen, erklärt Göldner. Karate heißt aber auch: strenge Hierarchie. Das Training wird mit einer Zeremonie begonnen und abgeschlossen. Beim Gasshuku wird sie vom höchstgraduierten Schüler, der in der Halle ganz rechts steht, geleitet. Das Ritual im Kniesitz, im Idealfall eine kurze Meditation, soll auf das Training einstimmen. Die Hinwendung gilt auch dem Karate-Begründer Gichin Funakoshi, dessen Porträt in der Halle zwischen der Japan- und der Deutschland-Fahne hängt.

Jeden Tag drei Einheiten, das sei hart, sagt Holger Göldner. In unterschiedlichen Gruppen kommen alle zum Zug: die Träger des schwarzen Gürtels, die einen Dan-Grad (Meister) haben. aber auch die Kyu-Ränge (Schüler), die gelbe, orangefarbene, grüne, violette oder braune Gürtel tragen. Anfänger binden sich einen weißen um. Am Ende der Gasshuku-Woche sind Prüfungen geplant, die meistens einen Schritt nach oben auf der Karate-Treppe bedeuten.

Am Gasshuku nehmen auch Kinder teil, die im Groß-Umstädter Dojo rund die Hälfte der Mitglieder ausmachen. Die Werbung besorgen laut Göldner die Karate-Filme. Wer dagegen erst im fortgeschritteneren Alter einsteigt, sollte besonders auf das Ganzkörper-Stretching beim Aufwärmen achten.

Das Welttreffen dürfte in Groß-Umstadt weitere Lust auf Karate wecken. Göldner: "Erfahrungsgemäß sind danach die Anfängerkurse voll."

Von Lisa Sandratski

Darmstädter Echo vom 25.07.2000

Karatekas aus aller Welt im Sommer-Trainingslager

Gasshuku 2000 - Karate-Welttreffen als organisatorische Herausforderung

Gasshuku kommt aus dem Japanischen und meint frei übersetzt "harte Zeit, die man gemeinsam verbringt". Das jährliche Treffen ruft Karate-SportlerInnen aus aller Welt auf zum Training sowie zum gemeinschaftlichen Verbringen der restlichen Zeit. Vom 24. bis 28. Juli 2000 wurden 1.500 bis 1.800 (es waren dann ca. 730. Anmerkung der Internet-Redaktion) KampfsporterInnen aus allen Nationen der Welt erwartet, die auf den dafür eingerichteten Camping-Plätzen oder in Sporthallen in den Groß-Umstädter Gemeinden übernachteten.

Trainiert wurde in der Heinrich-Klein-Halle in Groß-Umstadt, in der Ernst-Reuter-Halle in der Gustav-Hacker-Siedlung und in der Sporthalle in Semd. Für Informationen aller Art wurde eine zentrale Anlaufstelle im Portugiesischen Club eingerichtet. Neben dem Training, das in verschiedene Zeiten für die unterschiedlichen Prüfungsgrade unterteilt war, wurden auch Prüfungen abgenommen. Auf alle Fälle lohnte sich für jede Teilnehmerin/jeden Teilnehmer das Training. Eingeladen waren internationale Top-Trainer aus der USA, Thailand, Schweiz, Neuseeland und England sowie deutsche DJKB-Instructoren und Stützpunkttrainer.

Die Namen lesen sich wie ein Who-is-who- Lexikon hochqualifizierter Karatetrainer: Cheftrainer USA Süd Yutaka Yaguchi (8. Dan), Schweizer Cheftrainer Koichi Sugimura (7. Dan), Thailändischer Cheftrainer Fujikyo Omura (7. Dan), Britischer Trainer Shinji Akita (5. Dan) und Neuseeländischer Trainer Dieter Steinegg (4. Dan). In Deutschland aktive Trainer haben teilgenommen: Risto Kiiskilä (6. Dan), Marijan Glad (5. Dan), Toribio Osterkamp (5. Dan), Giovanni Torzi (4. Dan), Thomas Schulze (3. Dan) und Diplom- Sportlehrerin Tomie Ochi (5. Dan).

Das gesamte Welttreffen wurde geleitet von Großmeister Shian Hideo Ochi (8. Dan), den man auch als die Seele des deutschen JKA-Karates bezeichnet. Allein die Qualifikationen der Trainer ist deutlicher Hinweis auf die deutsche und internationale Bedeutung des Gasshukus 2000 in Groß-Umstadt. Insgesamt zweieinhalb Jahre dauerten die Vorbereitungen auf dieses erste internationale Karate Ereignis im neuen Jahrtausend, das das größte seiner Art in Europa ist. Seit 1972 findet es jährlich in Deutschland an wechselnden Standorten statt. Und nun zum erstenmal in der hessischen Kleinstadt Groß-Umstadt, der Odenwälder Weininsel.

Es gab viel zu tun für die Organisatoren bis die Planung - selbst bis in das kleinste Detail - perfekt stand. An den fünf Aufenthaltstagen waren weit über 100 HelferInnen mit roten T-Shirts unterwegs und vor Ort um die Planung umzusetzen, aus- und weiterzuhelfen, zu informieren und anderes mehr. Fahrbare Sanitäranlagen wurden an die Campingplätze gestellt, die Müllentsorgung wurde geregelt, Trainingszeiten mussten eingeteilt werden, Stadtpläne mit den gekennzeichneten Anlaufstellen wurden erstellt und ausgegeben, Campinggebühren mussten kassiert und Quittungen dafür ausgegeben werden und . . . und . . . und. . .  Nicht zu vergessen die Blattmacher, die die Veranstaltungsschrift "Willkommen im Odenwald. Gasshuku 2000" mit umfangreichen Informationen für Gäste und andere Interessierte herausgegeben haben.

Maßgeblich an der Organisation vor Ort waren die Mitglieder des Groß-Umstädter Karate-Dojos, die 1. Vorsitzende Annemarie Peters und Dojoleiter Sensei (Meister) Christian Gradl. Die Sporthallen in Semd und Kleestadt standen zu Übernachtungszwecken zur Verfügung sowie, zusammen mit der Ernst-Reuter-Halle, als Verpflegungsstelle. Für Anreisende mit Wohnmobil oder Wohnwagenanhänger wurde ein Platz in Semd eingerichtet. Das DRK Groß-Umstadt übernahm die Verpflegung der internationalen Sportgäste.

Zum weiteren Veranstaltungsfahrplan gehörten ein Vorführungsabend am Donnerstag, dem 27. Juli 2000, dessen Eintrittsgelder einem sozialen Zweck zugeführt werden, und die Abschlussfeier im Portugiesischen Club am Freitag, dem 28. Juli 2000.

Odenwälder Bote von Freitag, dem 28. Juli 2000

Großmeister Ochi und die Kunst der leeren Hand

In Groß-Umstadt trafen sich 800 Sportler, um sich in der Karate-Variante Shotokan zu üben

Shinji Akita geht vor den Reihen weiß gekleideter Frauen und Männer auf und ab. Kurz und bestimmt sagt er in japanischer Sprache die Übung an. "Oss " schallt es vielstimmig zurück, die Bestätigung verstanden zu haben. Während der britische Karate-Trainer laut vorzählt und seine Schüler beobachtet, wiederholen diese eine Tritt-Technik. Akita korrigiert und demonstriert dynamisch die korrekte Ausführung der Bewegung. Immer unter den Augen Gichin Funakoshis, dem verstorbenen Begründer des Shotokan - einer modernen Stilrichtung des Karate - dessen Foto an der Hallenwand hängt.

Shinji Akita vermittelte vergangene Woche als einer von mehreren hoch graduierten ausländischen Gasttrainern beim Gasshuku 2000 in Groß-Umstadt sein Wissen. "Gasshuku bedeutet soviel wie hartes Trainingslager", erklärt Holger Göldner vom ausrichtenden Karate-Dojo (Schule) Groß-Umstadt.

Die jährlich in einer anderen deutschen Stadt durchgeführte Veranstaltung sei die einzige ihrer Art außerhalb Japans und zieht Anhänger der Kampfkunst aus aller Welt an. "Hierher kommen hochkarätige Ausbilder, unter denen man nur sehr selten trainieren kann", begründet Holger Göldner das große Interesse an der Veranstaltung.

In diesem Jahr nutzten etwa 800 Teilnehmer die Gelegenheit, fünf Tage lang von verschiedenen Meistern darunter Lehrer des Deutschen JKA Karate Bundes (DJKB), zu lernen. Dessen Gründer und Oberhaupt Shihan (Großmeister) Hideo Ochi hatte 1972 erstmals zum Gasshuku eingeladen und fungiert seither als technischer Leiter.

"Ihn eine Woche lang bei sich zu haben, ist schon etwas besonderes", sagt Göldner über den Träger des achten Dan (Meistergrad), der auf über 40 Jahre Erfahrung im Karate zurückblickt. Jeder der Anwesenden habe im Verlauf des täglich drei Übungseinheiten umfassenden Lehrgangs direkt bei Ochi lernen dürfen. Faszinierend sei, die ruhige und angenehme Art des Japaners, seine Schüler in der Kunst der "leeren Hand" anzuleiten.

Göldner selbst konnte diesmal allerdings nicht davon profitieren, weil das Bemühen um einen möglichst reibungslosen Ablauf der Veranstaltung ihm und zahlreichen anderen Helfern kaum Zeit ließ. "Wir sind stolz auf das Gasshuku, aber es ist sehr viel Arbeit. Alles soll stimmen, und gerade Kleinigkeiten bleiben den Leuten im Gedächtnis", sagt er. Zwei Jahre hat die Vorbereitung in Anspruch genommen und neun verschiedene Arbeitskreise erfordert, das Karate-Welttreffen in der Odenwälder Weginsel zu realisieren. Die sehr freie Übersetzung der Organisatoren für Gasshuku laute daher auch "erst schon, wenn vorbei", schmunzelt Göldner.

Völliges Neuland betraten die Groß-Umstädter mit der Ausrichtung des Lehrgangs aber nicht. Sie können sechs Jahre Erfahrung bei der Durchführung des Kata-Special - einem ebenfalls größeren Karate-Seminar - vorweisen. Diese Routine sowie die gute Infrastruktur habe sicherlich dazu beigetragen, für das Gasshuku 2000 ausgewählt worden zu sein, so Göldner.

Außerdem verfüge Groß-Umstadt über ein "starkes Dojo" mit mehr als 250 Mitgliedern. Sein Leiter, Christian Gradl, seit 26 Jahren, Schüler Hideo Ochis, habe durch großes Engagement besonders im Jugend- und Juniorenbereich beachtliche Erfolge erarbeitet.

Unter anderem zählt er mittlerweile drei Mitglieder der deutschen Karate-Nationalmannschaft zu seinen Zöglingen. "So etwas ist natürlich attraktiv und zieht neue Interessenten an", freut sich Göldner. Der Groß-Umstädter Nachwuchs für kommende Gasshukus scheint insofern gesichert.

von Timo Quinkhardt

Frankfurter Rundschau, 29.07.2000